Ein Drache kehrt zurück
Seit mindestens 130 Jahre hing er hoch oben am „Assessor Wagner´schen Haus“ am Marktplatz – im Kronacher Volksmund auch als „es gelba Haus“ bekannt. Dort thronte einer von noch zwei in der Oberen Stadt vorhandenen und kunstvoll gestalteten Wasserspeiern in Form eines Drachenkopfes. Diese hatten früher die Aufgabe, das auf dem Dach anfallende Regenwasser von der Hausfassade wegzuführen. Mit der Einführung der städtischen Kanalisation wurden die meisten dieser - früher fast an allen Häusern befindlichen und mehr oder weniger aufwändig gestalten - Regenablässe abgebaut.
Der Drache am Marktplatz aber überdauerte die Jahrhunderte und war lange ein beliebtes Fotomotiv, bis er an einem etwas windigen Mai-Samstag dieses Jahres herunterbrach. Schnell war klar, die Reparatur dieses Stücks Stadtgeschichte wird nicht ganz einfach. Der Zahn der Zeit hatte gewaltig an den Blechen genagt und der Drache hatte mehr Löcher, als man von der Straße aus erahnen konnte.
Walter Söhnlein, welche immer zum historischen Stadtspektakel seine historische Schmiede unterhalb des Drachen aufbaut, nahm sich der Sache an. Es wurde entschieden, den „alten“ Drachen im Museum einzulagern und am Haus eine Replik anzubringen. In monatelanger Kleinarbeit entstand der Drache nach seinem historischen Vorbild neu. Hunderte von Stunden waren nötig, bevor das kupferne Fabelwesen nun mittels der Feuerwehrdrehleiter wieder den angestammten Platz seines Vorgängers einnehmen konnte.
Mit einem Schluck Sekt, den Walter Söhnleins Enkel Fritz auf die Reise durch den Röhren-Schlund des Drachens Richtung Straße schickte, wurde das Kunstwerk nach seiner Montage „eingeweiht“. Wieder konnte ein Kleinod unserer Oberen Stadt gerettet werden, was nun hoffentlich viele Jahrzehnte Bewohner und Besucher erfreut der Altstadt erfreut.